| |
Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttäten. Ich glaube, daß Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern daß er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
(Dietrich Bonhoeffer)
|
|
Vom Christlichen Glauben in der Evangelischen Kirche zu erzählen, ist eigentlich nicht sehr schwierig. Martin Luthers Entdeckung im späten Mittelalter ist es gewesen, dass der christliche Gott keiner ist, der uns etwas abverlangt, zu dem wir hinstreben, den wir uns erarbeiten müssten. Gott im jüdisch-christlichen Verständnis ist im Unterschied zu allen anderen Religionen ein Gott auf dem Weg zum Menschen. Nicht wir müssen immer besser, weiser, frömmer werden, sondern Gott kommt zu uns. Allein das zu glauben bedeutet «Glauben evangelisch»: Nichts und niemand mehr kann uns bewerten oder entwerten, wir müssen nichts und niemanden mehr bewerten oder entwerten, vor allem uns selbst nicht.
Von diesem «Grundglauben» aus ist bei uns eine ganze Menge möglich. Daher ist die Evangelische Kirche so vielfältig, oft verwirrend vielstimmig. Wir freuen uns über diese Vielfalt, wir erfahren sie als buntes Miteinander zum Lob Gottes und zu unserem Nutzen.
Links
|
|