Bernhard Offenberger wechselt an die Barfüßerkirche

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Klotz / Dekanat

Bei der Barfüßerkirche ist gerade viel in Bewegung: Im Kreuzgang der rund 800 Jahre alten Kirche stehen massive Stahlträger. Denn der historische Lechkanal, der direkt unter dem Areal verläuft, muss für rund 1,6 Millionen Euro aufwendig saniert werden. Etwa 500.000 bis 600.000 Euro davon muss die Gemeinde selbst aufbringen. 

Genau in dieser Phase beginnt für Pfarrer Bernhard Offenberger ein neuer Abschnitt an der Barfüßerkirche. Der 41-Jährige ist seit 2015 Pfarrer in Augsburg und war bisher an St. Ulrich tätig. Die Barfüßergemeinde kennt er bereits gut: Von Oktober 2025 bis Mai 2026 vertrat er Pfarrerin Gesine Beck während ihres Sabbaticals, aktuell führt er die Geschäfte weiterhin vertretungsweise. Ab November wird er fest für die Barfüßergemeinde zuständig sein. 

Im Interview erzählt Offenberger, warum ihn dieser besondere spirituelle Ort anspricht und welche Perspektiven und Ideen er für die Barfüßerkirche und ihre Gemeinde hat. Wer die Gemeinde mit einer Spende unterstützen möchte, findet hier weitere Informationen.

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Die Barfüßerkirche blickt auf 800 Jahre Geschichte zurück.

Herr Offenberger, wenn Sie heute durch den Kreuzgang gehen, sehen Sie Baustelle, Stahlträger und eine Kirche, unter der buchstäblich Wasser fließt. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie wissen: Das ist bald „meine“ Kirche?

Offenberger: Die Stahlträger in dem alten Gemäuer sind ein etwas schmerzhafter Anblick, denn erstmal stören sie das Bild des Kreuzgangs, der ein besonderes Juwel in der Augsburger Innenstadt ist. Gleichzeitig hat es etwas Sinnbildliches für mich: für die Kirche und die Gemeinde stehen sehr tiefgreifende Transformationen an, damit wir den Schatz – die gute Nachricht von der Liebe Gottes – weiterhin erhalten und für Menschen zugänglich machen können. Ich freue mich, bald so richtig in die Tradition und Geschichte der Barfüßerkirche einzutauchen und gleichzeitig an diesen Veränderungsprozessen mitzugestalten.

Sie übernehmen die Gemeinde in einer ungewöhnlichen Situation: Unter der Kirche wird ein historischer Kanal saniert, die Baustelle wird noch länger bleiben und die Gemeinde muss einen erheblichen Eigenanteil finanzieren. Was bedeutet diese Situation für Ihren Start hier? Und welche Möglichkeiten sehen Sie darin für die Gemeinde? 

Offenberger: Umbrüche und Notlagen fordern uns immer wieder heraus, uns zu fragen, was uns eigentlich wichtig ist. Wie sind wir Gemeinde? In welcher Art feiern wir Gottesdienst? Wie kommen wir zu den Menschen und was ist eigentlich unser Auftrag in dieser Stadt? In den letzten Monaten als Vertreter in der Barfüßergemeinde sind wir schon immer wieder auf diese grundsätzlichen Fragen gestoßen. Jetzt wollen wir – gemeinsam mit vielen Menschen, denen diese Gemeinde und dieser Ort am Herzen liegen – Antworten finden und entsprechende Weichen stellen.

 

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Hat studiert in Heidelberg, Halle/Saale und in Südindien: Bernhard Offenberger

Sie wechseln von St. Ulrich an die Barfüßerkirche. Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Arbeit möchten Sie mitnehmen – und welche Akzente möchten Sie an der Barfüßerkirche setzen? 

Offenberger: Zunächst bin und bleibe ich Pfarrer der Pfarrei Augsburg Mitte; denn wir arbeiten ja schon seit vielen Jahren im Gemeindeverbund zusammen. Genau diese Perspektive ist mir auch wichtig: Zu überlegen, welche Rolle die Barfüßerkirche und die Gemeinde im Konzert der 7 Gemeinden der Pfarrei spielen kann. Dabei geht es auch darum: was können wir hier gut und was kann an anderer Stelle vielleicht besser gemacht werden. 

Eine Sache, die mir schon in St. Ulrich wichtig war, ist in der Barfüßerkirche noch stärker ausgeprägt: Und zwar, dass es in der Innenstadt viel Wechsel gibt – Menschen ziehen zu und wieder weg – und hier auch viele junge Erwachsene, z.B. in WGs wohnen. Einladend zu sein und Anknüpfungspunkte für diese Menschen zu suchen, ist für mich eine ständige Herausforderung und Motivation. Ansonsten freue ich mich gemeinsam mit Pfarrerin Maral Zahed, die hier das Spirituelle Zentrum leitet, den Schwerpunkt Spiritualität weiter zu entwickeln. Dafür bringe ich unter anderem meine Erfahrung und Ausbildungen im Bereich Tanz/Bewegung und Theologie ein.

Sie sind zugleich Dekanatsjugendpfarrer. Welche Ideen und Angebote haben Sie, um auch jüngere Menschen mit diesem besonderen Ort in Kontakt zu bringen? 

Offenberger: Schon seit vielen Jahren übernachte ich mit den Konfis der "Wilden 7" einmal im Jahr in der Barfüßerkirche. Im Altarraum zu schlafen und dann morgens mit diesem weiten Raum über sich aufzuwachen ist etwas ganz Besonderes! Ich denke, dass wir einerseits überlegen werden, welche spirituellen Formen und Angebote für Jugendliche interessant sein können. Andererseits können wir mit der Stube, in der ja verschiedene Nutzergruppen heimisch sind, und mit den anderen Räumen im Ensemble der Barfüßerkirche auch Räume für Jugendliche eröffnen, in denen sie Gemeinschaft und Glauben erleben können.

 

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Eine Ruheoase: der Innenhof der Barfüßerkirche

Die Barfüßerkirche blickt zurück auf eine rund 800 Jahre alte Geschichte und versteht sich als Ort der Ruhe und Spiritualität. Was hat Sie persönlich an diesem Ort zuerst angesprochen? 

Offenberger: Ich liebe den Innenhof! Unter mir fließt das Wasser des Kanals, über mir der weite Himmel, und zwischen Bäumen und Blumen ist ganz viel Ruhe – und das nur wenige Schritte vom Rathausplatz entfernt! Aber auch die hohen Mauern der Kirche, denen man die wechselhafte Geschichte ansieht, faszinieren mich sehr. Der ganze Raum erzeugt einfach direkt eine ganz besondere Stimmung, die auch etwas ehrfurchtsvolles ausstrahlt.

Stellen wir uns vor, wir treffen uns in fünf Jahren wieder hier im Kreuzgang: Wie könnte sich die Barfüßerkirche bis dahin entwickelt haben? 

Offenberger: Wenn es nach mir geht, sind in der Kirche keine Kirchenbänke mehr. Stattdessen stellen wir je nach Anlass Stühle, so wie wir sie brauchen. Dadurch wird der Kirchenraum noch einmal ganz anders erfahrbar und wird zugleich zu einem Raum für verschiedene Formen von Spiritualität, Kunst und Begegnung. Der Innenhof ist für viele Menschen in der Stadt eine wichtige Oase und es gibt in den Räumen des Spirituellen Zentrums und am Kreuzgang Möglichkeiten für leichte und tiefsinnige Gespräche sowie vielfältige Angebote, die die Weite von Gottes Liebe erfahrbar machen und Menschen für ihr Engagement in dieser Welt stärken.


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