Juryvorsitzender Dekan Frank Kreiselmeier begründet die Verleihung des Augsburger Friedenspreises 2025 an Dr. Josef Schuster:
Das Hohe Friedensfest prägt Augsburg seit 1650, seit 375 Jahren. Der Gedanke dieses Friedens hat sich dabei tief im Stadtleben verankert. Im Zusammenleben vieler Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Konfession und Religion von Alteingesessenen und Neu-Augsburgern ist dieser Friede nicht nur Gedanke geblieben, sondern ist gelebter Friede in der Augsburger Stadtgesellschaft geworden - gegen Ausgrenzung und für gegenseitiges Kennenlernen, besseres Verstehen und füreinander Eintreten.
Im Programm zum Friedensfest ist in diesem Jahr prägnant formuliert: „Niemand soll mehr aufgrund seiner Religion oder Herkunft ausgeschlossen werden!“ Und solches Engagement, solchen Mut, für Frieden einzutreten, ehrt der Augsburger Friedenspreis.
Mit der Auszeichnung des Friedenspreisträgers möchte die Jury auch in diesem Jahr ein deutliches Zeichen setzen, dass dieses wertvolle Erbe weiterhin lebendig gehalten werden muss. Dazu gehört auch die Frage:
Was ist der Beitrag der Religionen zum Frieden und wo setzen sich Menschen auch aufgrund ihres religiösen Hintergrundes für Frieden ein?
- für Frieden zwischen Religionen
- für Frieden in der Gesellschaft
- für Frieden, der kulturelle und religiöse Vielfalt zulässt
- für Frieden, der Anfeindung und Ausgrenzung entgegentritt und der dazu beiträgt, dass gesellschaftliche Konflikte konstruktiv gelöst werden
Die Jury für den Augsburger Friedenspreis hat sich für eine Person entschieden, die für diesen Frieden eintritt:
Der diesjährige Friedenspreisträger ist Dr. Josef Schuster.
Der Arzt Dr. Josef Schuster hat sich über Jahrzehnte hinweg unermüdlich für Verständigung, Toleranz und den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus eingesetzt. Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland hat er in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltung und des Wiederauflebens extremistischer Ideologien eine klare und unmissverständliche Stimme für Menschlichkeit, respektvollen Umgang und ein friedliches Miteinander erhoben.
Sein Engagement reicht weit über die Belange der jüdischen Gemeinschaft hinaus, hinein in die gesamtgesellschaftlichen Diskussionen und an die Orte von Meinungsbildung. Er hat stets den Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften – auch Muslimen, politischen Entscheidungsträgern und mit der Zivilgesellschaft gesucht, um Brücken zu bauen, Vorurteile abzubauen und Vertrauen zu schaffen.
Dabei scheut er sich nicht, auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen und mahnende Worte zu finden, wenn demokratische Werte und der gesellschaftliche Zusammenhalt in Gefahr geraten. Er hat betont, dass ein offener und engagierter Diskurs über Antisemitismus gesamtgesellschaftlich und auch in Gemeinschaften anderer Religionen notwendig ist. Aber er bedient dabei nie fremdenfeindliche oder antimuslimische Narrative.
Dr. Schusters Wirken ist geprägt von einer tiefen Überzeugung, dass Frieden und Gerechtigkeit nur durch gegenseitigen Respekt und die Anerkennung der Würde jedes Einzelnen erreicht werden können. Er hat unzählige Male seine Stimme gegen Hass und Hetze erhoben. Er hat sich aktiv für eine Erinnerungskultur eingesetzt, die Lehren aus der Vergangenheit zieht und zukünftige Generationen für die Gefahren von Intoleranz und einseitiger Berichterstattung sensibilisiert. Er tritt beharrlich für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein, in der sich alle Menschen sicher und respektiert fühlen können.
Dr. Schuster nimmt diesen Preis, wie er selbst gesagt hat, als Verpflichtung an, weiter und noch stärker für diesen Frieden einzutreten. Sein unermüdlicher Einsatz für Frieden zwischen den Religionen und in der Gesellschaft, sein Eintreten für Verständigung in unserer Zeit macht Dr. Josef Schuster zu einem Vorbild und einer verdienten Persönlichkeit für die Verleihung des Augsburger Friedenspreises 2025 und zum 375. Geburtstag des Augsburger Friedensfestes.