Neue Pfarrerin in Lechhausen: “Unser Gott baut sein Haus nicht aus Stein und Beton, sondern aus Menschen.”

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(24.08.2026) Seit Anfang Juli ist Miriam Martin die neue Pfarrerin in St. Petrus, Lechhausen. Lebensnahe Verkündigung, Seelsorge und enge Zusammenarbeit im Stadtteil sind der 37-Jährigen wichtig. Für die Gemeinde sieht sie viele Chancen, aber auch Herausforderungen. Aufgewachsen ist sie in Ulm und hat in München Theologie studiert. Nach einer beruflichen Station in Günzburg war sie die letzten fünfeinhalb Jahre Pfarrerin in den Kirchengemeinden Ebermergen und Mauren im Dekanat Donauries. 

Was hat Sie motiviert, nach St. Petrus zu kommen?

Ich war ausgesprochen gerne in „meinen“ beiden Dörfern im Ries unterwegs. Aber ich wollte nach dem ländlichen auch gern ein städtisches Umfeld kennenlernen. St. Petrus hat mich da sehr angesprochen mit seiner Lage mitten in der kulturellen und religiösen Vielfalt Lechhausens. Außerdem habe ich hier vom ersten Kennenlernen an einen sehr freundlichen, aufgeschlossenen und engagierten Kirchenvorstand erlebt.

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"Die Bibel ist für mich ein spiritueller und theologischer Schwerpunkt." Pfarrerin Miriam Martin

Was ist Ihnen in Ihrer Gemeindearbeit besonders wichtig?

Die Bibel ist für mich ein spiritueller und theologischer Schwerpunkt, mit Glaubenserfahrungen, die auch unsere sein könnten: Jubel und Freude, Leid und Klage. Die Bibel ist voller Evangelium. Aber nicht alles ist zu jeder Zeit und für jeden Evangelium. Manche Texte haben mir früher nicht viel gesagt, aber jetzt, mit anderen Erfahrungen und neu gewonnenen Perspektiven, beginnen sie auf einmal zu leuchten.
In unserer Gruppe „Auf ein Wort!“ wollen wir uns in St. Petrus ab Oktober deshalb sehr genau mit der Bibel beschäftigen. Interessierte sind immer willkommen!

In meinen Gottesdiensten bemühe ich mich um eine lebensnahe Verkündigung, sprich: um Worte, mit denen die Menschen auch am Mittwoch noch etwas anfangen können.

Ein großes Anliegen ist mir auch die Seelsorge. Schon ganz zu Beginn meiner Zeit hier in Lechhausen kommen Menschen auf mich zu, die ein dringendes seelsorgerliches Anliegen haben. Und ich gehe gerne zu diesen Gesprächen. Seelsorge heißt für mich aber auch: meinen Gemeindegliedern zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Runde Geburtstage oder Ehrentage unserer Ehrenamtlichen möchte ich nach Möglichkeit persönlich besuchen.

Und Taufen, Trauungen und Beerdigungen liegen mir ohnehin am Herzen. Weil ein einschneidendes Ereignis in unserem Leben auch angemessen gewürdigt werden sollte. Darum nehme ich mir viel Zeit, genau wie meine Kolleginnen und Kollegen. Wir beraten gerne bei der Ausgestaltung der Feiern und sind jahrelang ausgebildet für die seelsorgerliche Begleitung in besonderen Situationen des Lebens. Das ist Qualität – die die mir anvertrauten Menschen auch erwarten können.

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Pfarrerin Miriam Martin vor der St. Petrus Kirche in Lechhausen. Wie es mit dem Backsteinbau genau weitergeht, ist noch unklar.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die St. Petrus Gemeinde?

Mir gefällt die Backsteinkirche St. Petrus. Allerdings werden wir das Gebäude finanziell nicht mehr lange halten können. In der Kirchengemeinde gab es bereits vor meiner Zeit mehrere Gemeindeversammlungen, in denen der Kirchenvorstand informiert hat. Unklar ist nun, wie genau es weitergeht.

Das ist für mich als Pfarrerin eine schwere Aufgabe. Mir selber, wie gesagt, gefällt die Kirche und ich würde sie natürlich auch gerne „behalten“. Dann allerdings gäbe es in absehbarer Zeit keine Kirchengemeinde St. Petrus mehr.

Darum halte ich es hier ganz mit einem Wort aus der Bibel, passenderweise aus dem Petrusbrief. Dort heißt es: „Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause.“ (1Petr2,5a) Unser Gott baut sein Haus nicht aus Stein und Beton, sondern aus Menschen, die an ihn glauben. Und diese „lebendigen Steine“ gilt es zu stärken und zuallererst im Blick zu haben. Aus diesen „lebendigen Steinen“ bestehen unsere Kirchengemeinden, besteht unsere Kirche.

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privat
Pfarrerin Miriam Martin bei ihrem Einführungsgottesdienst am 28. Juli 2026

Wie verstehen Sie Gemeindearbeit im Zusammenspiel mit den Playern im Stadtteil oder in evangelischen und ökumenischen Kooperationen? Gibt es Ziele, die man gemeinsam besser erreichen kann?

Meiner Erfahrung nach gibt es umgekehrt wenig, das man am besten ganz alleine erreicht.
Die Situation unserer Kirche ist die, dass sie kleiner wird; aus unserer Landeskirche tritt von den Zahlen her jedes Jahr eine Kleinstadt aus. Das bedeutet weniger Kirchensteuer bei leider auch weniger theologischem Nach-wuchs. Die Kirchengemeinden müssen also zusammenrücken und zusammenarbeiten. Ich freue mich sehr, dass unser Kirchenvorstand für regionales Arbeiten offen ist und ebenso meine Kollegin und mein Kollege aus St. Markus und St. Lukas. Insgesamt erlebe ich mein neues Dekanat Augsburg als offen und bereit für das Arbeiten in Regionen oder Regionalgemeinden.

Eine sehr gut laufende Ökumene habe ich als Vikarin in Günzburg kennengelernt und würde mich freuen, auch hier Gottesdienste wie Veranstaltungen gemeinsam mit dem katholischen Amtsbruder zu feiern.

Was die Stadtteilarbeit angeht, entdecke ich hier gerade ein sehr spannendes Arbeitsfeld, in dem ich mit tätig sein will. Bei der Lechhausener Friedenstafel am 1. August wurde ich gebeten, die Festrede zu halten, was ich gerne getan habe. Und auch beim kommenden Grieslefest möchte ich, dass wir als Kirchengemeinde „am Start“ sind. Sicher, das sind kommunale Veranstaltungen, vor allem aber sind es Orte, wo Menschen sich versammeln – und genau dort möchte ich als Pfarrerin auch ansprechbar sein und das konfessions- wie religionsübergreifend.

Was machen Sie privat, wenn Sie nicht gerade als Pfarrerin unterwegs sind?

Ich bin ein ausgesprochener Familienmensch. Ich genieße ohne Ende die Zeit mit meinem zweijährigen Sohn und mit meinem Mann. Wir sind Dank Jahreskarten regelmäßige Zoobesucher und machen jeden Spielplatz in der Nähe unsicher. Mit meiner Labradorhündin bin ich im Grieslepark oder auch am Lech entlang unterwegs. Ansonsten gehe ich gern Laufen und Rennradfahren.

Was steht als Nächstes an?

Insgesamt freue ich mich darauf, viele neue Menschen kennenzulernen – in der bunten Vielfalt, aus der sich unsere Kirchengemeinde und unsere Kirche und unser Stadtteil zusammensetzt. Ich freue mich auf alle Gespräche und Begegnungen, die auf bewährten Pfaden verlaufen. Und besonders freue ich mich auf jene, die ihre ganz eigenen Pfade ziehen.
 

Mehr Infos zur Kirchengemeinde St. Petrus (Augsburg Lechhausen) und alle Gottesdienste und Veranstaltungen
www.st-petrus-augsburg.de


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