Was geschieht, wenn Sicherheit wichtiger wird als Glaube und Vertrauen? Wenn wir nur noch sichern, aber nichts mehr wagen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Ökumenischen Festgottesdienstes zum Hohen Friedensfest am 8. August in Augsburg.
In der voll besetzten Basilika St. Ulrich und Afra haben evangelische und katholische Christinnen und Christen gemeinsam das Hohe Friedensfest gefeiert. Der Gottesdienst griff das Motto des diesjährigen Friedensfestes „UN_SICHERHEIT“ auf. Die Dialogpredigt hielten der evangelische Dekan Frank Kreiselmeier und der katholische Stadtdekan Helmut Haug.
Glaube wagt Wege, weil Gott mitgeht
Ausgehend von der Frage, wie viel Sicherheit Menschen in einer von Krisen und Veränderungen geprägten Zeit benötigen, warben Kreiselmeier und Haug für Vertrauen, Verantwortung und die Bereitschaft, auch Unsicherheit auszuhalten. „Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Sicherheit und Glaube: Sicherheit versucht, alle Risiken auszuschließen. Glaube wagt Wege, weil Gott mitgeht“, so Kreiselmeier. „Sicherheit baut Mauern. Der Glaube und der Friede Gottes baut Brücken.“
Grundlage der Dialogpredigt war ein Abschnitt aus dem ersten Thessalonicherbrief, in dem der Apostel Paulus dazu aufruft, Frieden zu halten, Schwache zu tragen, geduldig zu sein und dem Guten nachzujagen. Frieden beginne im Umgang der Menschen miteinander. „Frieden ist kein Zustand, Frieden ist eine tägliche Entscheidung“, so Kreiselmeier. Das Hohe Friedensfest erinnere daran, dass Frieden immer wieder neu eingeübt werden müsse.
Respekt darf nicht verloren gehen
Dabei richteten Haug und Kreiselmeier den Blick auch auf den gesellschaftlichen Umgang miteinander. Kreiselmeier warnte vor dem Verlust gegenseitigen Respekts: „Genau da beginnt Populismus. Nicht erst bei Parolen, sondern da, wo der Respekt verloren geht.“
Haug rief dazu auf, gerade in Zeiten des Wandels Verantwortung und die Mühen anderer wahrzunehmen. „Ja, es verändert sich gerade viel: Vertrautes geht zu Ende, Neues beginnt. Darüber darf man traurig sein und kritisch. Aber wir dürfen dabei eines nicht verlieren: den Respekt voreinander.“
Prüft alles und das Gute behaltet
Auch den Umgang mit Informationen im digitalen Zeitalter griff die Predigt auf. Der paulinische Satz „Prüft alles und das Gute behaltet“ sei heute hochaktuell: Nicht jede Schlagzeile sei wahr und nicht jedes Video bilde die Wirklichkeit ab. Zugleich gelte es, auch die eigene Haltung kritisch zu prüfen und Informationen nicht allein deshalb weiterzugeben, weil sie zur eigenen Meinung passen.
Augsburg habe als Friedensstadt eine besondere Aufgabe, sagte Haug. Die Stadt erinnere Jahr für Jahr daran, dass Frieden gelernt, Versöhnung möglich und der Dialog zwischen Konfessionen und Religionen immer wieder neu gesucht werden könne.
Unter den Gästen waren auch Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Augsburg, darunter Oberbürgermeister Dr. Florian Freund. Nach der Dialogpredigt spendeten zahlreiche Besucherinnen und Besucher Beifall. Musikalisch gestaltet wurde der Festgottesdienst vom Chor der Basilika St. Ulrich und Afra sowie vom Posaunenchor des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks Augsburg.


